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Linux in der Grundschule – Erfahrungen mit Ubuntu (bzw. Lubuntu) als Alternative zu Windows XP im Schulalltag

Ubuntu / Lubuntu in der Grundschule – eine Alternative zu Windows XP

In unserer Grundschule bestand Handlungsbedarf: Ausgestattet mit diversen betagteren PCs, allesamt betrieben mit Windows XP, bestand nach dem Ende des XP-Supports durch Microsoft ein echtes Sicherheitsrisiko. Da es sich bei den Computern nicht um städtisch gewartete Geräte handelt, stand weder ein Lizenzpool mit neuen Windowslizenzen bereit noch gab es die finanziellen Mittel, um von der Schule aus Neugeräte mit Windows in der neuesten Version anzuschaffen.

Infolge dessen haben wir uns entschieden, die bestehende schulische Computer-Infrastruktur in den Klassen auf Linux umzustellen – umgesetzt „in Eigenregie“. In den folgenden Beiträgen möchte ich von meinen Erfahrungen bei der Umstellung und bei dem späteren Einsatz von Ubuntu / Lubuntu im Grundschulalltag berichten.

Seit dieser Entscheidung wurde die Schul-IT um 50 Laptops neuerer Generation und einen ordentlich ausgestatteten Server ergänzt – allesamt großzügige Spenden zur Unterstützung der Linuxumstellung und in später folgenden Einzelbeiträgen thematisiert…

Anforderungen an die Schul-IT

Es gibt besonders im Grundschulumfeld einige ganz spezielle Voraussetzungen, die bei einer (Neu-) Konzeption der IT-Infrastruktur bedacht werden müssen. Als konkrete Anforderungen an unserer Münsteraner Grundschule waren zu berücksichtigen:

  • Finanzieller Rahmen: Die Umstrukturierung muss wegen eines kleinen IT-Budgets (genau wie der laufende Betrieb) möglichst kostengünstig sein.
  • Einfache Bedienbarkeit: Die Vorkenntnisse im Umgang mit Computern bei den Grundschullehrerinnen und -lehrern an unserer Schule sind genauso ausbaufähig, wie vermutlich auch an der Mehrzahl der anderen Grundschulen in Deutschland. Gleiches gilt selbstverständlich für die Schülerinnen und Schüler, die im Grundschulalter nur selten überhaupt Vorwissen in der Computernutzung einbringen. Daher muss die Einfachheit der Bedienung der Computer bei der Konzeption im Vordergrund stehen.
  • Einfache Administration: Als Grundschullehrer mit einer eigenen Klasse bleibt nur wenig Zeit im Alltag für die Administration von Server, Netzwerk und Computern (davon abgesehen, dass diese Arbeit als „nicht gerade im Kern des Arbeitsfeldes“ liegt, für das ich bezahlt werde). Eine Lösung muss also zwingend wartungsarm und langlebig sein.
  • Übertragbarkeit / Dokumentation: Im Schulalltag ergeben sich häufig Personalwechsel – und das manchmal auch kurzfristig. Meine Anforderung an eine Neukonzeption der IT-Infrastruktur ist daher, dass diese auch kurzfristig in neue (verantwortliche) Hände übertragen werden kann. Um das sicherzustellen, muss eine vollständige Dokumentation Teil der Infrastruktur sein.
  • Gewohnte Einsatzszenarien: In einigen Jahren der Computernutzung im Unterricht haben viele Kolleginnen und Kollegen feste Nutzungsmuster entwickelt, sich Anwendungsbereiche erschlossen, Windows-Software in ihre Unterrichtskonzeption einbezogen. Diese gewohnten Einsatzszenarien müssen (zumindest großteils und ohne große Umgewöhnung) weiter einfach realisierbar sein, um die neue Schul-IT für das gesamte Kollegium zugänglich zu halten.
  • Fokussierung auf Open Source: Lernen und Lernmaterial sollte meiner ausschließlich persönlichen Meinung nach kostenlos und für jedermann zugänglich sein. Das gilt auch für Software im Einsatz als Lernwerkzeug. Daher strebe ich persönlich eine möglichst große Fokussierung auf Open Source-Software an, sofern sie der Praktikabilität nicht widerspricht.
    Einen Einblick in das Thema Open Source und Schule bietet übrigens das kürzlich hier erschienene und frei zugängliche E-Book von Sebastian Seitz.

Wieso Ubuntu / Lubuntu?

Unter Berücksichtigung der genannten Anforderungen habe ich diverse Betriebssysteme in Betracht gezogen, Windows allerdings aufgrund der Kosten von Windows und Office nicht weiter berücksichtigt. Als nächstes habe ich sämtliche Linux-Distributionen, die speziell für den Schuleinsatz konzipiert sind, von der Liste gestrichen: Für weiterführende Schulen sicher gut einsetzbar, genügen sie den Anforderungen einer (oder zumindest unserer) Grundschule nicht.

Es verbleiben viele möglicherweise geeignete Linux-Distributionen und Flavours: Debian, Mint, Ubuntu, Lubuntu, Kubuntu… (eine gute Übersicht bietet Herr Lockau von knud.aquarius.uberspace.de hier: Welches Linux in der Schule?) Letztendlich aber sind es die folgenden Gründe, die den Ausschlag für Lubuntu gegeben haben: Die Kompatibilität mit ältere Hardware, der langfristig (hoffentlich) überschaubare Wartungsaufwand einer LTS-Version, die gute Verfügbarkeit von Informationen (in Form der auch für Lubuntu gültigen Ubuntu-Dokumentationen) und die klare, einfache Menüführung.

(Außerdem habe ich mich persönlich, abgesehen von diversen Debian-Erfahrungen mit dem Raspberry Pi, bisher nur im Ubuntu-Umfeld abseits von Windows bewegt und finde mich daher hier bereits recht intuitiv zurecht – ganz bestimmt ein wichtiger Faktor, um die Adminstration zumindest für mich persönlich möglichst einfach zu halten.)

Zu erwähnen ist hier übrigens auch der Vollständigkeit halber eine andere echte Option für Schulen: Der Einsatz von linuxmuster (hier: Freie Linux-Musterlösung für schulische Netzwerke) scheint die umfassendste freie Lösung für schulische Netzwerke zu sein, vorbereitet auf jedes erdenkliche schulische Einsatzszenario und bis ins Detail durchdacht. Leider ist das Paket derart umfangreich und entsprechend aufwändig zu installieren, dass es in der ausgelieferten Variante zumindest für unsere Grundschule und zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Frage kommt (auch wenn ich persönlich von der Lösung begeistert bin).

Erfahrungen und Austausch

Im Vorfeld habe ich einige Stunden mit der Recherche, auf der Suche nach vergleichbaren Projekten oder organisierten Linux-Grundschulen verbracht. Die Problematik des ausgelaufenen XP-Supports sollte doch vermeintlich auch anderen Grundschulen an einen Linux-Umstieg denken lassen? Mit den beschränkten Einsatzfeldern für Computer im Grundschulkontext, den vergleichsweise geringen Sicherheitsanforderungen an eine Absicherungen nach innen und den geringen IT-Budgets scheint ein Linux-Einsatz als vermeintlich ideale Lösung und logische Konsequenz. Trotzdem konnte ich nicht viele aktuelle Erfahrungsberichte dazu finden und habe mich deshalb entschieden, meine eigenen Erfahrungen bei der Projektumsetzung an dieser Stelle zu veröffentlichen. Sollten Sie ein ähnliches Projekt planen, freue ich mich über einen Austausch oder Ihre Kommentare!